Homepage
Markenreifen, Felgen und Komplettr√§der bis zu 25% g√ľnstiger bei reifen.com!
Am Himmel
 
Lexikon
 
Finsternisse
 
Deep-Sky
 
Schweiz
  

Tipps und Tricks / Astro - Zeichentechniken

Zeichnen Sie gerne am Teleskop? Hier sind Ihre Bilder und Fragen zum Astro-Zeichnen willkommen.

Moderator: aba

Tipps und Tricks / Astro - Zeichentechniken

Beitragvon JCU » 04.07.2007 00:04

Zeichentechnik von Uwe Glahn

Die folgenden, hier vorgestellten Schritte zeigen den Weg auf, wie ich von der Skizze am Teleskop, √ľber die Reinzeichnung auf schwarzen Karton bis zur digitalen Darstellung in z.B. Webseiten komme.

1. Anfertigung der Rohzeichnung - Skizze
Grundlage f√ľr die Grobzeichnung k√∂nnen Ausdrucke aus einem Sternkartenprogramm wie z.B. Guide sein. Ich blende dabei das zu erwartende Gesichtsfeld ein, passe die Grenzgr√∂√üe der dargestellten Sterne mit der erreichbaren Grenzgr√∂√üe des Teleskops an und blende das Objekt aus. Der somit gestaltete, einfache Ausdruck, der mittig auf den Nebel ausgerichtet wurde, kann nun zum Beobachtungsort mitgenommen werden. Der Ausdruck der Sterne hat zwei wichtige Vorteile. Zum einen entf√§llt die schwierige und zeitaufwendige Darstellung der Sterne in der Zeichnung und zum anderen ist eine ma√üstabsgetreue Ausdehnung des Nebels anhand der Sterne m√∂glich. Bei Zeichnungen durch Teleskope verzichte ich jedoch meist auf jegliche Vordrucke, da sich die Sternanzahl gerade bei h√∂heren Vergr√∂√üerungen in Grenzen h√§lt und die Sterne auch so unproblematisch skizziert werden k√∂nnen. Als Skizzengrundlage eignen sich Skizzenbl√∂cke mit gr√∂beren Papier > 120g/m¬≤ gut.
Der auf einem Klemmbrett befestigte Sternkartenausdruck, bzw. der Skizzenblock kann nun vor Ort mit den wichtigsten Details des Nebels und des Sternumfeldes gestaltet werden. Dazu reicht ein weicher Bleistift und eine Rotlichtlampe aus. Dabei stelle ich die markanten Lichtgrenzen von Nebelobjekten mit mehr oder weniger dicken Bleistiftstrichen dar. Dunkelwolken markiere ich mit gestrichelter Linienf√ľhrung. Diffus auslaufende Nebelbereiche kann mit gezackter Linienf√ľhrung darstellen werden. Die somit erhaltene Skizze zeigt in einer sehr einfachen Art alle gesehenen Details des Nebels und reicht zur Umsetzung auf den schwarzen Karton v√∂llig aus. Au√üer den Nebeldetails halte ich noch die Markierung von auff√§lligen Sternketten f√ľr wichtig. Da sich ja alle bzw. ein Gro√üteil der zu sehende Sterne auf dem Ausdruck befindet, reicht ein Kreis um die auffallenden Sterne aus. Die nun fertige Rohzeichnung sollte alle Einzelheiten des betroffenen Gesichtsfeldes enthalten. Bei Offenen Sternhaufen mit Ausdruck kann man auch alle zu sehenden Sterne mit einem Strich markieren. Zus√§tzlich zu den zeichnerischen Elementen kann auch mit Text oder Zahlen gearbeitet werden. Bew√§hrt hat sich z.B. die Helligkeitsverteilung innerhalb eines Nebels mittels Zahlen zu verschl√ľsseln. Dieses funktioniert bei Sternhelligkeiten ebenfalls sehr gut.

2. Anfertigen der Reinzeichnung auf schwarzen Karton
Nun gilt es die am Fernglas oder Teleskop gezeichnete Skizze in wärmeren Gefilden auf schwarzen Karton umzusetzen. Als Karton empfehle ich die im Fachhandel erhältlichen, auf A4 zugeschnittenen schwarzen Zeichenkartons. Je gröber die Struktur des schwarzen Kartons ist, desto besser hält die Kreidefarbe, je schlechter lassen sich aber homogene Flächen zeichnen.
Bei Fernglaszeichnungen zeichne ich im ersten Schritt einen wei√üen Kreis auf den Karton, der genau so gro√ü wie der ausgedruckte Gesichtsfeldkreis sein sollte. Bei aufwendigen Skizzen mit vielen Sternen empfiehlt sich das Kopieren der Sterne mit Hilfe von Durchstechen der Sternorte von der Skizze auf den darunter liegenden Karton. Ich steche dabei knapp √ľberhalb des Sterns. Die Vorteile knapp √ľber dem Stern zu stechen sind zum einen die bessere Erkennbarkeit der bereits gestochenen Sterne und zum anderen der Umstand die wei√üe Tusche nicht direkt in das Loch zeichnen zu m√ľssen. Des weiteren sollte man darauf achten das Loch weder zu stark noch zu schwach zu stechen. Bei zu starkem Druck entstehen auff√§llige L√∂cher im Karton, bei zu schwachem Druck findet man kein Loch wieder. Nach dem Stechen von beliebig vielen Sternen kann man nun die Rohzeichnung entfernen und anfangen unter den sichtbaren L√∂chern die wei√üe Tusche zu zeichnen. Als Tuschestift hat sich ein wei√üer Edding mit 0,8 mm Strichst√§rke bew√§hrt. Mit diesem Stift ist es leicht m√∂glich auch schwache und somit sehr kleine Punkte auf den Karton zu postieren. Nach dem trocknen der Tusche kommt nun ein wei√üer Kreidestift und ein Wischer zum Einsatz. Ein Wischer ist eine aus Filzmaterial bestehender Stift der im angespitzten Zustand die vom Kreidestift gezeichneten Konturen ‚Äěverwischen‚Äú kann. √Ąhnlich gut eignen sich aber auch geknickte Kartonecken. Es kommt nun auf das eigene Geschick und ein wenig √úbung an, wie gut die Nebeldetails auf den Karton dargestellt werden. Prinzipiell gilt: je mehr Kreide auf dem Karton, umso heller das Gebiet; je mehr ‚Äěgewischt‚Äú wird, umso dunkler das Detail. F√ľr den Anfang sollte man jedoch nicht zuviel Kreide auf den Karton geben, da sonst das Nebeldetail eventuell zu hell dargestellt wird. Neben Wischer, Kreidestift und Tusche leisten einfache wei√üe und schwarze Stifte gute Dienste. Hier ist √§hnlich wie beim Stechen ausprobieren angesagt ‚Äď es ist noch kein Meister vom (Sternenhimmel) gefallen. Nachdem man den Nebel dargestellt hat, markiert man noch am Gesichtsfeldkreis die Himmelsausrichtung und notiert sich die wichtigsten Daten wie Himmelsbedingungen, Teleskop, Vergr√∂√üerung oder auch verwendete Filter auf den Karton. Es ist nun Geschmackssache, ob die Objektdaten auf Vorder- oder R√ľckseite geschrieben werden.

3. Scannen und Veröffentlichen der Zeichnungen
Einer der heikelsten Punkte ist die Digitalisierung der Kartonzeichnung mittels Scanner und die Darstellung der Zeichnung am Monitor. Bei Scannen ist es wichtig bereits am Scanner die richtigen Einstellungen zu finden. Neben Helligkeit und Kontrast, die man unter Umst√§nden auch sp√§ter anpassen kann, ist der so genannte "Gammawert" f√ľr das richtige Erfassen der feinen Graustrukturen entscheidend. Allgemein sollte man mit h√∂herer Aufl√∂sung (300dpi) in SW (Schwarz/Wei√ü) scannen, da bei Farbscans oft Probleme auftauchen und die Datenmengen unn√∂tig gro√ü werden. Abspeichern sollte man in verlustfreien Formaten wie TIFF oder Bitmap.
Vor dem Scan ist sicherzustellen, dass sich weder auf der Zeichnung, noch auf der Scheibe des Scanners Staub oder Fusseln befinden, die sich später nur schwer und aufwendig digital entfernen lassen. Ein weicher Lappen oder Pinsel (Malerpinsel) zum Entfernen hat sich bewährt.
F√ľr die Begutachtung der Zeichnung ist unbedingt auf die richtige Monitoreinstellung zu achten, die weder zu hell, noch zu dunkel sein sollte. Ein Graubalken (Graukeil) wie hier neben jeder Zeichnung angef√ľhrt eignet sich f√ľr die richtige Einstellung. Bei kontrastarmen Zeichnungen kann auch mittels Software die Zeichnung invertiert werden, d.h. schwarze Striche auf wei√üen Grund. Bei heller Zimmerbeleuchtung oder Sonneneinfall sind so Details in den Zeichnungen besser zu erkennen.

Fazit
Wichtig ist, dass man sich nicht von den hier aufgef√ľhrten Arbeitsschritten abschrecken l√§sst. Sp√§testens nach der zweiten Zeichnung stellt sich eine gewisse Routine ein, durch welche man solch eine Zeichnung auch mit einem recht kleinen Zeitaufwand herstellen kann. Vorteile von Zeichnungen sind, dass man sich intensiv mit dem Beobachtungsobjekt auseinandersetzt, seine eigenen Sehf√§higkeiten trainiert und am Ende ein Produkt in der Hand zu haben, welches einen Erinnerungswert und eine gewisse √Ąsthetik verbindet. Ich m√∂chte mit diesem Bericht jeden Sternfreund dazu animieren einmal selbst eine Zeichnung zu versuchen und getreu nach dem Motto ‚Äěback to the roots‚Äú den Himmel auf diese einfache, daf√ľr intensive Art und Weise kennen zu lernen.

Uwe Glahn Einloggen, um Links zu sehen


Eine weitere Zeichentechnik stellt uns Daniel Restemeier zur Verf√ľgung, die jedoch, sehr umfangreich und mit Bildern dokumentiert, nur auf seiner Webseite nachzulesen ist.

Daniel Restemeier Einloggen, um Links zu sehen


Wer gerne Planeten oder, wie hier vorgestellt den Mond und seine Krater bevorzugt zeichnet, findet einige Tipps hier:
http://lexikon.astronomie.info/beobacht ... chnen.html
JCU
 

Zur√ľck zu Astro-Zeichnungen und Zeichnen



27.01.2015 21:12 Uhr, Arnold Barmettler