Sternbilder: Faszinierende Bilder am Nachthimmel

Orion, Kassiopeia oder der Große Wagen – alle drei verbindet eine Gemeinsamkeit. Es handelt sich um sehr bekannte Sternbilder. Besonders die Position des Großen Wagens kennen viele „Sterngucker“. Und auch Orion fällt immer wieder auf. Gerade der Sommer lädt förmlich dazu ein, einen Blick auf den Nachthimmel zu werfen. Wer in tropischen Nächten mal wieder nicht schlafen kann, schaut einfach nach oben – und versucht fünf Sternbilder zu finden. Drei haben wir schon genannt. Findest du noch zwei andere? Es ist überraschend, wie schnell das Wissen aus dem Astronomie-Unterricht zu den Akten gelegt wird.

Sternbilder erkennen: Diese sind besonders bekannt

Es gibt eine ganze Reihe Sternbilder am Nachthimmel zu entdecken. Selten fällt mehr als eine Handvoll ein. Dabei gab es Zeiten, in denen deren Anzahl die Marke von 100 überschritt. Lange waren Sternbilder einfach dem Zeitgeist unterworfen und willkürlich festgelegt. Die Liste der heute allgemein akzeptierten Sternbilder entstand 1922 – auf der ersten Sitzung der Internationalen Astronomischen Union (IAU). Bezeichnung, Umfang und Grenzen der einzelnen Sternbilder sind seit den 1920er bzw. 1930er Jahren international festgeschrieben.

Der Große Wagen als bekanntes Sternbild

Alle 88 Sternbilder zu erklären, führt ganz sicher zu weit. Hast du schon etwas von der Fliege oder dem Hasen gehört? Es gibt einige sehr bekannte Sternbilder am Himmel. Diese zu kennen, ist sicher kein Fehler.

  • Großer Bär: Auch Ursa Major oder Großer Wagen. Bezeichnet eine Sternkombination aus sieben sehr hellen Sternen am Sternenhimmel der Nordhalbkugel. Über die Verlängerung der Sternenachse Dubhe – Merak findet der Betrachter den Polarstern. Damit kann das Sternenbild Norden als Himmelsrichtung anzeigen. Hellster Stern im Sternbild ist Alioth.
  • Kleiner Bär: Als Ursa Minor oder kleiner Wagen bekannt. Eine Besonderheit ist, dass im Angelpunkt der „Deichsel“ der Polarstern liegt. Bei der Betrachtung des Sternbilds fällt die Position zum Großen Wagen auf. Dieser sieht aus wie eine um 180° gedrehte Spiegelung. Aufgrund seiner Position ist der Kleine Bär auf der Nordhalbkugel das komplette Jahr über zu sehen – er ist zirkumpolar.
  • Kassiopeia: Auch als Himmels-W – aufgrund der besonderen Form – bezeichnet, ist Kassiopeia ein am nördlichen Sternenhimmel präsentes Sternbild. Beobachter sehen es das ganze Jahr über. In seiner Position liegt es dem Kleinen Bären gegenüber – etwa im gleichen Abstand wie die Sternenachse Dubhe – Merak des Großen Wagens zum Polarstern. Auf diese zielt die mittlere Spitze des Himmels-W.
  • Orion: Das Wintersternbild ist eine der bekanntesten Sternenfiguren und besonders bekannt. Zu den Besonderheiten gehört die Tatsache, dass der Schulterstern Beteigeuze zu den Roten Überriesen gehört. Im direkten Vergleich mit der Sonne haben Astronomen die Größe mit dem Faktor 800 berechnet. Zwei weitere bekannte Sterne des Orion sind Bellatrix (zweiter Schulterstern) und Rigel. Aufgrund der markanten Erscheinung ist Orion ein bereits sehr lange bekanntes Sternbild, welches bereits in der Antike eine besonders wichtige Rolle spielt.
  • Leier: Auch als Lyra bezeichnet, handelt es sich hierbei um eines der besonders alten Sternbilder. Die Leier ist am Nachthimmel in den Sommer und Herbstmonaten zu sehen, taucht zum Jahresende aber ab. Vega als Hauptstern der Leier gehört zu den hellsten Himmelskörpern am Nachthimmel. Im Vergleich mit anderen Sternbildern ist Lyra vergleichsweise klein. Trotzdem wurde das Sternbild bereits in der Antike beschrieben und ist damit bereits sehr lange bekannt.

Diese fünf Sternbilder sind längst nicht alle Figuren am Nachhimmel. Es gibt noch eine ganze Reihe weiterer Sternbilder, welche du beobachten kannst.

Warum gibt es Sternbilder am Himmel

Der Sternenhimmel ist bereits seit der Steinzeit Gegenstand reger Beobachtung durch den Menschen. Felsmalereien deuten darauf hin, dass bereits die Steinzeitjäger hier gewisse Regelmäßigkeiten beobachteten. Kein ungewöhnlicher Vorgang. Liegt es doch in der Natur des Menschen, nach regelmäßigen Mustern und einer Grundordnung zu suchen. In der Praxis spiegelt ein Sternbild immer bekannte Formen und Strukturen wider.

Seefahrer benutzten Sterne zur Navigation

Besonders gut nachvollziehbar ist dieser Aspekt am Sternbild Orion. Hierfür sind die verschiedenen Interpretationen aus historischen Quellen gut dokumentiert. Für die Einwohner Skandinaviens stand Orion für den Gott Thor. Das Volk der Sumerer sah in dem Sternbild etwas vollkommen anderes – ein Schaf.

Historisch betrachtet sind die Sternbilder – welche nicht mit den Sternzeichen aus der Astrologie verwechselt werden dürfen – der Versuch, Ordnung ins Chaos zu bringen. Auf der anderen Seite haben die Sternzeichen einen sehr praktischen Nutzen. Durch die Aufteilung des Sternhimmels in feste Strukturen war mit deren Hilfe auch ohne die Sonne das Navigieren über Land und auf See möglich. Besonders Seefahrer profitierten von der Kenntnis über die verschiedenen markanten Sternbilder.

Diese praktische Funktion hatten bekannte Sternbilder über Jahrhunderte inne. Heute setzt die Seefahrt zur Navigation auf andere Hilfsmittel – Stichwort GPS. Für die Astronomie sind Sternbilder am Himmel nach wie vor von Bedeutung. Sie dienen hier zur Orientierung, wenn es beispielsweise um die Beschreibung von Phänomen und nicht ortsfesten Himmelskörpern geht. Hierzu hat die IAU nicht einfach nur willkürlich die Zahl der Sternbilder festgelegt. Der Sternhimmel ist inzwischen komplett auskartographiert.

Was unterscheidet Sternbilder und Sternzeichen

Oft wird heute von Sternzeichen gesprochen – dabei aber eigentlich ein Sternbild gemeint. Beide haben aber so etwas wie eine gemeinsame Wurzel. Die 12 Sternzeichen gehen auf die alten Tierkreiszeichen zurück. Bereits in der Antike bekannt, teilten diese das Jahr in der Ekliptik in 12 gleiche Abschnitte. Hintergrund: Für die Menschen der Antike hatte es den Anschein, dass sich Sonne und Mond einer engen Zone – der Ekliptik – bewegen.

Die Unterteilung in 12 Sternzeichen teilte das Jahr auf. Durch die Methoden der modernen Astronomie sind viele Annahmen zum Tierkreis und den Sternzeichen widerlegt. Teils wurde bereits in der Antike klar, dass dieses System Fehler hatte. Durch die Präzession (Taumelbewegung der Sonne) geraten tropischer und siderischer Tierkreis zunehmen außer Takt.

Heute allgemein angewandt wird der tropische Tierkreis. Dessen Beginn markiert der Widder (Aries) vom 21. März – 20. April. Der siderische Tierkreis spielt eine nur noch untergeordnete Rolle. Dass die Sternzeichen Vorbilder für Sternbilder sind, legen diverse historische Funde nahe. Im Lauf der Zeit wurden die Sternzeichen zunehmend mit weiteren Bildern ergänzt – was zu den Sternbildern führen sollte.

Der Sternhimmel verändert sich

Machst du Astronomie zu deinem Hobby und beginnst mit der Beobachtung der Sternbilder am Himmel, werden einige Beobachtungen gemacht. Jede Nacht gehen Sternbilder am Himmel auf und wieder unter. Einige Sternbilder sind nur in bestimmten Jahreszeiten zu sehen. Hierfür sind die Bewegungen der Erde relativ zu den Sternen verantwortlich. Beispiel Beobachtung den Polen: Hier stehen wir direkt in der Rotationsachse der Erde. Blickst du jetzt nach oben, sind immer die gleichen Sternbilder in ein und derselben Nacht zu sehen.

Ein Roter Riese am Sternenhimmel

Das andere Extrem sind die Äquatorregionen. Hier kannst du beobachten, dass sich die Sternbilder im Lauf einer Nacht verändern. Einige gehen am Horizont auf, andere Sternbilder verschwinden wieder. Das Ganze hat einfach mit der Position auf einem rotierenden Körper zu tun.

Wirklich interessant beginnt das Thema zu werden, wenn der Sternhimmel über einen längeren Zeitraum beobachtet wird. Hier fällt auf, dass einige der Sternbilder in Abhängigkeit der Jahreszeit ihre Position ändern. Einige rutschen sogar komplett hinter den Horizont. Dieses Phänomen geht einfach auf die Kippbewegung der Erde zurück. Durch die Winkeländerung der Rotationsachse verschiebt sich die Beobachtungsebene – und damit verschwinden einige Sternbilder einfach unter den Äquator. Wäre es möglich, den Sternhimmel über Jahrtausende zu beobachten, würde noch etwas ganz anderes auffallen: Die Sternbilder am Himmel verschieben sich immer mehr. Dieser Effekt ist durch das langsame Taumeln der Erde – die Präzession – verursacht. Das Ergebnis: Sternbilder wie der Große Wagen haben heute eine andere Position am Sternenhimmel – trotz des gleichen Beobachtungspunktes – als vor 4.500 Jahren.

Veränderungen, die wir nicht sehen

Im ersten Moment wirken Sternbilder statisch. Aber: Wie bereits erwähnt, verändert sich der sichtbare Sternenhimmel. Einmal kann entscheidend sein, wo du dich als Beobachter befindest. Ein zweiter Aspekt ist die Rotationsachse. Wie sich diese relativ zum Sternenhimmel verändert, hat Einfluss auf die Sternbilder am Himmel. Diese Veränderungen beeinflussen am Ende im den Beobachtungspunkt – haben also nur relativ gesehen Einfluss auf den Sternenhimmel. Aber: Es gibt Veränderungen, welche direkt von den Sternbildern ausgehen.

Damit ist nicht die Szintillation der Sterne gemeint. Dieses scheinbare Flackern, was sich in Änderungen der Helligkeit oder Farbe ausdrückt, entsteht durch Störungen in der Atmosphäre. Es beeinflusst die Lichtbrechung.

Gemeint ist vielmehr, dass sich auch die Sterne verändern. Das All ist nach wie vor in seiner Expansionsphase. Hierdurch ändern sich – allerdings in einem für den Menschen nicht wahrnehmbaren Zeitraum – die Entfernungen der Sterne zueinander. Parallel sind die Sterne selbst Veränderungen unterworfen. Das beste Beispiel ist an dieser Stelle Beteigeuze. Der zweithellste Stern im Sternbild Orion ist ein Roter Überriese. Damit befindet sich der Stern eigentlich am Ende seines Lebenszyklus. Es ist davon auszugehen, dass dieser früher oder später in einer Supernova endet. Aufgrund der Entfernung zwischen Sonne und Beteigeuze braucht das Licht des Sterns 550 Jahre bis zur Erde. Dass Event der Supernova ist auf der Erde daher verzögert zu sehen. Für die Entwicklung von Sternen gibt es inzwischen genauere Erkenntnisse, wie deren Entwicklungszyklen aussehen. Unter anderem gibt es folgende Stufen:

  • Roter Zwerg
  • Weißer Zwerg
  • Unterzwerge
  • Hauptreihe (Mitte des Lebenszyklus)
  • Riesen
  • Helle Riesen
  • Überriesen.

Am Ende des Lebenszyklus verbrauchen die Sterne ihren Brennstoff, dehnen sich massiv aus und fallen in sich zusammen. Das Ergebnis – eine Supernova – lässt sich immer wieder in der Astronomie beobachten. Besonders sehr massereiche Sterne durchschreiten ihren Lebenszyklus in sehr kurzer Zeit. Teilweise haben sie das Ende bereits nach einigen hunderttausend Jahren erreicht.

Sternbilder beobachten – Was ist alles wichtig?

Wer den Nachthimmel beobachten will, probiert dies zuerst oft mit den bloßen Augen. Kann funktionieren, was ganz gut funktioniert für Sternbilder. Deutschland bietet in diesem Zusammenhang durchaus Abwechslung. Um die einzelnen Figuren am Nachthimmel zu sehen, braucht es etwas Übung.

Ein Sonnenteleskop

Außerdem muss jeder Hobby-Astronom ungefähr wissen:

  • wo sich die Sternbilder befinden
  • wie die Sternbilder aussehen.

Hieran scheitert es mitunter. Mit einfachen Hilfsmitteln lässt sich schnell für Abhilfe sorgen. Ein Tool lässt sich relativ einfach besorgen: Sternenkarten. Mittlerweile wird hier gern auf Apps fürs Smartphone oder Tablet gesetzt. Wer lieber „oldschool“ unterwegs ist, kann auch zur klassischen drehbaren Sternenkarte greifen. Hier werden einfach Position sowie Uhrzeit eingestellt. Über die Drehscheibe lässt sich der sichtbare Teil des Sternhimmels einfach beobachten. Vielleicht kennst du diese Sternenkarte ja noch aus der Schulzeit.

Für die Beobachtung mit bloßem Auge machst du dir einen Plan. Wann ist welches Sternbild am Himmel zu sehen? Anhand der Sternkarte lässt sich die „Pirsch“ schon im Vorfeld planen. Entsprechend der Witterung muss die Bekleidung aussehen.

Wer das Ganze etwas professioneller angeht, setzt auf Ferngläser oder – was eher der Fall sein wird – Teleskope. Damit lassen sich Sterne und Sternbilder sehr viel besser beobachten als mit bloßem Auge. An diesem Punkt muss eines klar sein: Je stärker der Wunsch nach professioneller Ausstattung, umso tiefer am Ende der Griff in den Geldbeutel. Einfache Teleskope für Einsteiger sind für niedrige dreistellige Eurobeträge zu haben. Wo es professioneller sein soll, geht es schnell um vierstellige Summen.

FAQ – Häufige Fragen und Antworten

Wie viele Sternbilder gibt es?

Die Zahl der Sternbilder ist inzwischen international festgeschrieben. Seitens der IAU wurde sich in den 1920er bzw. 1930er Jahren auf 88 Sternbilder am Himmel geeinigt. Diese Neuordnung war einfach notwendig geworden, da bis zu diesem Zeitpunkt die Sternbilder teils sehr willkürlich festgelegt waren.

Wer hat die ersten Sternzeichen erfunden?

Menschen erkannten bereits sehr früh, dass sich am Sternenhimmel vermeintlich nahe Sterne zu Strukturen zusammenfassen lassen. Diese Erkenntnis belegen Quellen wie Höhlenmalereien. Die Bedeutung der Sternbilder am Himmel deutet sich außerdem in Funden wie der Himmelsscheibe von Nebra an. Wirklich klar belegt ist die Nutzung von Sternzeichen für die ersten Hochkulturen von Euphrat und Tigris.

Liegen die Sterne in einem Sternbild immer nah beieinander?

Auf einer gedachten zweidimensionalen Himmelsscheibe entsteht tatsächlich der Eindruck räumlicher Nähe. Sobald in der dritten Dimension gedacht wird, sieht es sehr schnell anders aus. Astronomische Berechnungen zeigen, dass die Himmelskörper in einem Sternbild sehr weit voneinander entfernt liegen können. Teils ist deren Abstand zwischen einander größer als der Abstand einzelner Sterne zur Sonne.

Lassen sich am Sternenhimmel immer die gleichen Sternbilder beobachten?

Nein, der Sternenhimmel ist stetigen Veränderungen unterworfen. Deren Ausprägung hängt stark vom Beobachtungspunkt an. Gerade am Äquator ist der Wechsel zwischen auf- und untergehenden Sternbildern besonders stark. An den Polen sind Änderungen kaum zu spüren. Hier muss der Beobachtungszeitraum ausgedehnt werden. Durch Änderungen in der Rotationsachse sowie der Präzession kommt es hier zu langfristigen Änderungen in den sichtbaren Sternbildern. Übrigens gelten diese Effekte auch für Beobachtungen am Äquator.